
Im Jahr 2003 hatte ich meine Selbstständigkeit aufgeben müssen, da Revell keine großen LKW- und Truckmodelle mehr ins Programm aufnehmen wollte und ich mein eigenes Label namens – Lassen project – ebenfalls wegen Unwirtschaftlichkeit beenden musste. Also machte ich dann das, was ich nie verlernt hatte: einen LKW fahren.
Aber schon vor 2003 war ich zehn Jahre lang mit einem Sattelzug unterwegs gewesen, und zwar von 1979 bis 1989 bei der Firma Jani Gastransport in Marl. Der Hauptsitz des Unternehmens befand sich damals in Seevetal bei Hamburg und war zu der Zeit die größte Tankwagen-Spedition in Deutschland. Da meine Zeit bei der Bundeswehr in Hemer 1979 endete, zog ich mit meiner Familie wieder zurück nach Marl, wo wir herkamen. Ich konnte sofort in der neugegründeten Niederlassung als LKW-Fahrer anfangen, machte noch den Gefahrgutschein und dann ging es los.
Sechs Zugmaschinen vom Typ Mercedes-Benz NG 1632 hatten wir in der Niederlassung Marl. Wir fuhren Tag und Nacht, also in zwei Schichten von morgens um 6.00 Uhr bis abends um 18.00 Uhr und dann kam die Nachtschicht. Gefahren wurde im Wechsel zwei Wochen Tagschicht und dann folgte eine Woche Nachtschicht. Das LKW-Fahren in den 1970er und 1980er Jahren war recht entspannt, da damals noch nicht solche Massen von ihnen auf unseren Straßen unterwegs waren. Es gab auch keine Fahrerkarte, keine Module, die alle fünf Jahre erneuert werden mussten. Führerschein, Tachoscheibe, das war's.




Es war eine schöne Zeit bei Jani Gastransport, tolles Betriebsklima und immer neue Fahrzeuge.


Irgendwann, ich glaube, es war 1985/86, erhielten wir nagelneue Zugmaschinen von Scania. Die Firma hatte uns Wochen vorher einen Vorführwagen zur Verfügung gestellt, den wir testen sollten. Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht, jeder wollte die Zugmaschine in seiner Schicht fahren. Kleines Lenkrad, Klimaanlage, luftgefederte Sitze, mehr PS und eine richtig gute Ausstattung, kein Brot-und-Butter-Auto wie der Mercedes. So war es damals, könnte sich heute kein Hersteller mehr erlauben.

Meine Kamera hatte ich meistens bei mir, es war meine erste Spiegelreflexkamera, damals die AE-1 Program von Canon.

Unser Fuhrpark wurde mit sechs neuen Scania 112 M ausgestattet und die waren echt Klasse.


Wasserstoff ist ein technisches Gas mit einer Reinheit von 99,9 %. Es riecht nicht, man schmeckt es nicht und es ist hochexplosiv. Eine Flamme ist bei Tageslicht kaum zu sehen und nur sichtbar zu machen, indem man etwas Brennbares in die Flamme hält. Die Wasserstoffauflieger von Langendorf besaßen fünf Bündel mit Gasflaschen, insgesamt 340 Flaschen, die alle untereinander mit Leitungen verbunden waren. Der Gesamtinhalt betrug 4000 m³ H2, so die Kurzform von Wasserstoffgas. Wir fuhren immer unter Volllast, 41 t; H2 wiegt nur wenige kg.
Nach zehn Jahren bei Jani Gastransport war 1989 Schluss mit LKW fahren. Ich wollte mehr Freizeit haben, keine Nachtschicht mehr machen und die gewonnene Zeit für Familie und Hobby nutzen.

Nach Jani fing ich als Baggerfahrer auf der Zeche Auguste Victoria in Marl an. Zwischenzeitlich bin ich mit meiner Familie von Marl nach Haltern-Lippramsdorf umgezogen und hatte nur 5 Minuten mit dem Auto bis zu meinem neuen Arbeitsplatz. Die Frühschicht ging von morgens 6.00 Uhr bis nachmittags um 14.00 Uhr und die Mittagsschicht dann von 14.00 Uhr bis 22.00 Uhr. Ideale Zeiten für Familie und Hobby. Ich wurde auf dem Liebherr 922 angelernt und machte ein Jahr lang damit meinen Job.

Eines Tages, ich saß gerade beim Frühstück, klopfte die Firma Revell bei mir an, genauer gesagt erhielt ich einen Anruf vom damaligen Vorstand H.U. Remfert. Er fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, bei Revell als Produktentwickler zu arbeiten. Nach einer kurzen Bedenkzeit und in Absprache mit meiner Frau rief ich ihn zurück und sagte ja. Mehr hierzu auf der Seite über Revell.
An dieser Stelle mache ich einen Sprung ins Jahr 2003, denn in diesem Jahr setzte ich mich wieder in die Kabine eines LKW. Revell und meine Selbstständigkeit waren Geschichte, ab jetzt wurden wieder Kilometer runtergespult. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit musste ich bei einer Firma für einen Fahrer einspringen, der wegen Alkohol am Steuer vier Wochen lang seinen Führerschein abgeben musste. Mein Glück war, dass er nach dieser Zeit keinen LKW mehr fahren wollte und so behielt ich diesen Job.

13 Jahre lang konnte ich diesen Actros 1841 MP2 mit Schmitz-Auflieger bei der Firma Vogelsang in Löhne fahren. Es war ein Megaspace mit Single-Cab, d. h. in der Kabine gab es keinen normalen Beifahrersitz, sondern einen gemütlichen Sessel in der rechten Ecke. Transportiert habe ich Glas und Spiegel zu den Kunden der Möbelindustrie in Ostwestfalen. Ich war Alleinfahrer mit einer angenehmen Arbeitszeit inmitten eines tollen Betriebsklimas. Ich kümmerte mich um die Wartung, Pflege und den TÜV, und da ich im Besitz eines Staplerscheines war, gehörte auch das tägliche Laden des Sattelzuges zu meiner Arbeit. Im Herbst 2018 war dann Schluss und ich ging in den Ruhestand. Ab und zu helfe ich aber noch aus. Im Frühjahr 2021 konnte ich auch noch einen Actros 1845 der neuen Generation mit Automatikgetriebe bei einem Mercedes-Händler in Recklinghausen abholen. Ein Actros vom Feinsten.
